PMCA Impuls 25.2.2019

Österreichs Pharmamarkt gestern, heute und morgen

 

Traditionellerweise beschäftigt sich der Februar-Impuls des Pharma Marketing Clubs Austria (PMCA) mit den Entwicklungen des Pharmamarkts des Vorjahres und gibt dabei einen Ausblick in die Zukunft. Am 25. Februar 2019 stand daher im Saal der Labstelle in Wien ein Vortrag von Dr. Martin Spatz, Geschäftsführer bei IQVIA Österreich, auf dem Programm. Unter dem Titel „Österreichs Pharmamarkt 2018 und globale Trends“ gab Martin Spatz Einblick in die globalen und nationalen Entwicklungen auf dem Pharmamarkt.

 

   

© Fotos: Katharina Schiffl

 

Niedergelassener Markt 2018

Erstmals in der österreichischen Geschichte überstieg der Wert des niedergelassenen Marktes (das sind öffentliche Apotheken und ärztliche Hausapotheken) für verschreibungspflichtige und frei verschreibbare Arzneimittel im Jahr 2018 die „magische Grenze“ von 3 Milliarden Euro. Der niedergelassene Markt wuchs jedoch nur mehr um 4,6 %. Dieses tatsächliche Wachstum deckt sich sehr gut mit dem von IQVIA publizierten Forecast aus dem April 2018, in dem ein Wachstum zwischen 4,2 und 4,7 % für 2018 vorhergesagt wurde.

Im generikafähigen Markt betrug der Anteil an Generika-Packungen bereits 50 % (2017: 48,9 %) und stieg wertmäßig um 9,8 %. Eine Auswertung der „Valsartankrise“ im Sommer des Jahres 2018 zeigt die Resilienz des Pharmamarktes: Kurzfristig wurde Valsartan durch Candesartan ersetzt. Nach Wiederherstellung der Lieferfähigkeit von Valsartan kehrten die Verordner wieder zu der für ihre Patienten bewährten Therapie zurück.

Die Zahlen aus dem zweiten Halbjahr 2018 zeigen, dass der Anteil nicht mehr mit den Gebietskrankenkassen verrechneter, also privat bezahlter, verschreibungspflichtiger und erstatteter Arzneimittel bei 25 % liegt. Dies ergibt sich daraus, dass der Krankenkassenpreis inklusive Umsatzsteuer von immer mehr Arzneimitteln unter die Rezeptgebühr von 6,00 EUR gewandert ist – Stichwort: Preisbandregelung.

Der Consumer-Health-Bereich blieb weit hinter dem Markt für verschreibungspflichtige Arzneimittel zurück und wuchs nur um 1,6 % im Vergleich zu 2,2 % im Jahr 2017. Dabei zeigt sich eine stark gegensätzliche Dynamik zwischen zugelassenen OTC-Arzneimitteln wie z. B. Paracetamol und Ibuprofen und nicht zugelassenen OTC-Produkten wie z. B. Nahrungsergänzungsmitteln: Bei Ersteren sank das Wachstum von 1,.4 auf 1,1 %, bei Zweiteren stieg es von 2,0 auf 4,7 %. Führende OTC-Unternehmen sind die Firmen Bayer, Sanofi und ratiopharm sowie die „Österreicher“ Gebro, Apomedica, Kwizda, Allergosan, Sanova und Promedico.

Gesamtmarkt 2018 inklusive Spitäler

Gegenüber dem Jahr 2017 flachte das Wachstum im Gesamtmarkt (öffentliche Apotheke, Hausapotheke und Krankenhaus) von 6,0 % auf 4,3 % ab. Der Gesamtmarkt (niedergelassener Bereich und Krankenhaus) für Biologika wuchs 2018 um 4,8 %, wobei vor allem die Firma AbbVie mit ihrem Arzneimittel Humira® ihre führende Position noch ausbauen konnte.

Biosimilars
Im Krankenhaus ist der Biosimilars-Eintritt vor allem durch Rituximab bereits stark spürbar: Das Wachstum sank von 7,5 % im Jahr 2017 auf 4,2 % im Jahr 2018. Biosimilars der zweiten Generation hatten 2018 ihren ersten starken Auftritt. Der Gesamtmarkt wuchs um 140,2 % und wurde vom österreichischen Unternehmen Astro-Pharma GmbH sowie von Biogen, MSD, Pfizer und Sandoz dominiert.

Die Boxen

Der Wert aller erstattungsfähigen Arzneimittel in der Grünen Box, der in den vergangenen Jahren stets stieg, sank erstmalig um 17,8 Mio. Euro. Dies ist eine direkte Folge der Preisbandregelung. Dämpfend wirkten sich vor allem die Einführung von Enoxaparin Biosimilars und Imatinib Nachfolgeprodukten aus.

Die Dunkelgelbe Box (RE1) wuchs stark um 127,6 Mio. Euro durch innovative Hepatitis-C- und Onkologie-Therapien. Der Hepatitis-C-Markt selbst sank jedoch durch die Verfügbarkeit einer Vielzahl von neuen Therapien um 14,8 Mio. Euro. Überzogene Befürchtungen aus der Vergangenheit über ein ungezügeltes Marktwachstum in diesem Segment haben sich demnach als unbegründet erwiesen.

In der No Box setzte sich der rückläufige Trend der letzten Jahre fort: Der Wert aller erstattungsfähigen No-Box-Arzneimittel sank um 3,3 Mio. Euro. Hier sind vor allem innovative Onkologika stark vertreten. Generell dominierten Onkologika mit einem Market Share von insgesamt 10,6 % den Markt für erstattungsfähige Arzneimittel.

Neueinführungen 2018

Bei den erfolgreichsten Neueinführungen auf Basis Packungen dominierten erwartungsgemäß Nachfolgeprodukte, aber auch einige Überraschungen: Die steirischen Firmen Genericon Pharma GmbH, G.L. Pharma GmbH und +pharma arzneimittel gmbh sowie die in Tirol ansässigen Firmen Gebro Pharma GmbH und Sandoz GmbH nutzten wichtige Patentabläufe (Rosuvastatin und Metamizol) sehr gut. Für den Vertrieb eines Enoxaparin Biosimilars ist das Wiener Unternehmen Astro-Pharma GmbH verantwortlich, womit immerhin acht der zehn erfolgreichsten Neueinführungen nach Stückzahlen 2018 aus österreichischer Hand kommen.

Im Bereich der Spezialtherapeutika konnte Astra Zeneca wertmäßig mit einem Arzneimittel zur Behandlung einer bestimmten Art von Eierstockkrebs sehr stark punkten. Mit einem anderen auf die Behandlung von Ovarialkarzinom gerichteten Arzneimittel konnte Tesaro Bio ebenfalls im Onkologiebereich eine wichtige Neueinführung platzieren. Sanofi-Aventis führte erfolgreich ein Präparat für mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis ein und Astra Zeneca ein Präparat zur Behandlung von schwerem eosinophilem Asthma.

EUSA Pharma lancierte eine Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom und MSD ein Arzneimittel für Erwachsene, das nach einer Knochenmarktransplantation eine Cytomegalievirus-Erkrankung verhindert. Bei all diesen Therapien handelt es sich um Biologika.

Die Zukunft

Für das Jahr 2019 zeichnet sich unter anderem mit der Übernahme von Celgene durch BMS eine neue Übernahmewelle in der Pharmabranche ab. 2019 wird auch jenes Jahr werden, in dem durch die Einführung der Biosimilars der zweiten Generation – z. B. Adalimumab – massive Effizienzsteigerungen in Europa erwartet werden. Der damit gewonnene „Headroom for Innovation“ wird einer Fülle von neuen Therapien – wie z. B. CAR-T, die 2018 eingeführt wurden – zugutekommen.

 

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