Lebhafter Preiswettbewerb der freiverkäuflichen Produkte

Bekanntlich dürfen österreichische Apotheken der Berufsordnung zufolge für freiverkäufliche nicht erstattete Arzneimittel nicht mit reduzierten Preisen werben, wenn ein Vergleichspreis angegeben wird. Es ist auch nicht erlaubt, Rabatte in Prozent in der Bewerbung zu erwähnen. Aufmacher wie „20 Euro statt 25 Euro“ oder „5 Prozent billiger“ sind öffentlichen Apothekern also verwehrt.

Diese Einschränkung der vergleichenden Werbung ist durchaus nachvollziehbar, da es sich bei Arzneimitteln um „ethische“ Produkte handelt, deren Zweck in der Behandlung von Krankheiten liegt. Eine Erhöhung des Absatzes durch Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage wie das Bewerben von Preissenkungen könnte als unethisch interpretiert werden, wenn dadurch eine nicht angezeigte Einnahme gefördert wird.

Auch wenn Vergleichspreise nicht angegeben werden dürfen, steht es dem jeweiligen niedergelassenen Apotheker natürlich frei, die Verkaufspreise für freiverkäufliche nicht erstattete Arzneimittel frei zu gestalten.

Im Gegensatz dazu ist es ausländischen Versandapotheken gestattet, in Österreich mit vergleichenden Preisnachlässen bei Patienten zu werben.

Daher kam es in letzter Zeit gehäuft zur Diskussion, ob der Preiswettbewerb im Bereich der öffentlichen Apotheken durch diese strikten Werbebeschränkungen ausreichend wäre.

Eine aktuelle Studie, die von IQVIA bei mehr als 500 öffentlichen Partnerapotheken durchgeführt wurde, zeigt jedoch klar, dass viele Apotheker trotz der strikten Regeln im stationären Geschäft für freiverkäufliche Arzneimittel, Kosmetika, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel eine aktive Preispolitik betreiben.

Untersucht wurden Nettopreise der verschiedenen OTC2-Klassen im vierten Quartal 2018. Es zeigt sich, dass Preisnachlässe für Kunden die Regel sind und relativ konstant zwischen 1 und 7 % liegen. Ähnlich wie im Versandhandel werden bestimmte OTC2-Klassen auch höher rabattiert, etwa Produktgruppen wie enterale Nährmittel mit ca. 25 %, spezielle Wundverbände ohne Wirkstoffe mit rund 19 %, aber auch Venenmittel sowie Pflasterbinden mit jeweils etwa 18 % oder Einmal-Injektionsartikel und Vollnahrungsmittel mit jeweils 16 %.

Auch bei Stichproben unter den 20 Top-Sellern der OTC-Produkte tauchten Ausnahmen auf, die höhere Rabatte aufwiesen als andere Produkte derselben Klasse: so wurden beispielsweise einzelne Abführmittel mit bis zu fast 25 % Rabatt verkauft. Auch unter den Darmtherapeutika sind Rabatte bis zu 12,5 % Rabatt nicht unüblich.

 

Wenn Sie Fragen zu dieser Studie haben, wenden Sie sich bitte an:

Frau Claudia Linhart
IQVIA Marktforschung GmbH
Stella-Klein-Löw-Weg 15, Haus B, 5. Stock, A-1020 Wien
E: claudia.linhart@iqvia.com

 

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